Dating-Burnout: Wenn das Swipen emotional erschöpft

Dating-Apps sind für viele Reichweite, aber sie können auch sehr viel kosten, vor allem in emotionaler Hinsicht. Das Phänomen „Dating-Burnout“ ist keine Modeerscheinung, sondern betrifft laut aktuellen Studien über 75 % der Gen Z-Nutzenden. Die ständige Flut an Matches, Ghostings und oberflächlichen Begegnungen führt zu Erschöpfung und sogar Zynismus. In diesem Beitrag erklären wir, wie Burnout entsteht, warum es so weit verbreitet ist und welche Gruppen besonders betroffen sind.
Was bedeutet Dating-Burnout?
Dating-Burnout beschreibt ein Gefühl emotionaler, mentaler oder körperlicher Erschöpfung, das durch die Nutzung von Dating-Apps entsteht. Nutzer:innen fühlen sich ausgelaugt vom endlosen Swipe-Prozess, unerwiderten Nachrichten und oberflächlichen Begegnungen. Studien zeigen: Burnout ist keine seltene Nebenwirkung, sondern eine verbreitete Erfahrung.
Was sagen die Zahlen?
Eine Umfrage von Forbes Health und OnePoll unter 1.000 US-Nutzenden ergab: 79 % der Millennials und Gen Z berichteten, schon mal ein Gefühl von Erschöpfung im Zusammenhang mit Dating-Apps erlebt zu haben. Gen X und Baby-Boomer lagen nur leicht darunter mit 77 % bzw. 69 %. Hauptgründe: fehlende emotionale Verbindung (40 %), Enttäuschung durch Dates (über 35 %), oft kombiniert mit Ghosting und Fake-Profilen.
Eine Studie aus den USA beobachtete fast 200 aktive Nutzer:innen über zwölf Wochen. Emotional exhaustion (emotionale Erschöpfung) und inefficacy (Gefühl von Ineffektivität) nahmen deutlich zu. Besonders anfällig: Menschen mit hoher Einsamkeit, Angst oder Depression. Problematische App-Nutzung verstärkte den Burnout sogar noch mehr.
Kontext und Ursachen der Erschöpfung
Mehrere Mechanismen wirken zusammen: Entscheidungsüberlastung durch zu viele Profile („Infinite Swiping“), ständige Ablehnung, unklare Absichten der Matches und emotionale Distanz. Laut einer Bitkom-Analystin kann die Fülle an Optionen Frust und Zynismus fördern – besonders, wenn reale Begegnungen immer seltener stattfinden.
Wer ist besonders betroffen?
Jüngere Nutzer:innen (Gen Z, Millennials) berichten häufiger von Dating-Fatigue als Ältere. In Ländern wie Deutschland sehen Paartherapeut:innen und Psycholog:innen verstärkt Symptome von emotionaler Erschöpfung bei Online-Dater:innen. Auch in Australien klagt ein großer Teil über mentale Erschöpfung durch fortwährendes Swipen und Unsicherheit beim Date-Prozess.
Einordnung im Branchentrend
Swipe-Fatigue ist kein Einzelfall, sondern Teil einer Branche im Umbruch. Immer mehr Menschen reduzieren ihre App-Nutzung oder ziehen Dating in reale Events und Begegnungen vor. Das erzwungene Tempo wird zunehmend als Hemmschuh empfunden. Die Suche nach Qualität statt Quantität drängt das Businessmodell vieler Dating-Apps in eine Krise.
Rückblick & Ausblick
Schon zu Beginn der App-Ära war klar: Dating bleibt trotz Technologie ein emotional komplexes Feld. Jetzt wird die emotionale Schwelle sichtbar. Ob Plattformen wie Tinder, Hinge oder Bumble reagieren, etwa mit klareren Nutzer:innen-Intentionen oder mentalen Pausenfunktionen, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Wer beim Dating-Burnout mal innehält, gewinnt mehr als nur Zeit zurück.
Quellen & weiterführende Links:
- Forbes Health / OnePoll: Studie zu Dating-App-Fatigue
- Sharabi et al. (2025): Burnout bei Dating-App-Nutzenden (langfristige Studie)
- WELT: Online-Dating kann zum Burnout führen (Bitkom-Analyse)
- New York Post: Acht von zehn US-Nutzenden fühlen sich ausgebrannt
- Daily Telegraph: Dating-App-Müdigkeit bei Singles in Sydney