„Foodie Calls“: Wenn Dating zur Gratis-Mahlzeit wird

Auf TikTok und in US-Medien kursiert seit dem Frühsommer ein Trend, der das Datingverhalten spürbar diskutabler macht: „Foodie Calls“. Gemeint sind Verabredungen, die primär wegen eines kostenlosen Essens angenommen werden, ohne echtes romantisches Interesse. Beiträge und Erfahrungsberichte häufen sich, teils als „Budget-Hack“ in Zeiten hoher Lebenshaltungskosten beschrieben. Der Begriff ist nicht neu, erlebt 2025 aber einen deutlichen Aufschwung.
So funktioniert es
Typisch ist die Verabredung über gängige Apps, bevorzugt in Restaurants oder Cafés. Der Kontakt wird höflich geführt, das Treffen findet statt, ein zweites Date ist meist nicht beabsichtigt. In Social-Clips berichten einzelne Nutzerinnen und Nutzer von mehreren Abendessen pro Woche. Kritiker sprechen von Täuschung, Befürworter verweisen auf wirtschaftlichen Druck und steigende Preise in Metropolen.
Warum das wichtig ist
„Foodie Calls“ verweisen auf zwei Entwicklungen. Erstens verschiebt sich ein Teil des App-Datings von Beziehungsabsicht hin zu Nutzenkalkül. Zweitens steigt die Relevanz ökonomischer Faktoren im Kennenlernen. Für Plattformen bedeutet das: Interaktionen sind nicht automatisch ein Signal für ernsthafte Absichten. Für Restaurants und Veranstalter ergeben sich neue Berührungspunkte mit der Dating-Ökonomie.
Zahlen und Forschung
Die wissenschaftliche Grundlage stammt aus Untersuchungen von 2019: Je nach Stichprobe gaben rund 23 bis 33 Prozent befragter Frauen an, mindestens einmal aus kulinarischen Motiven ein Date angenommen zu haben. In den Studien zeigte sich zudem ein Zusammenhang mit Persönlichkeitsmerkmalen aus der „Dark Triad“ und mit traditionellen Geschlechterrollen. Neuere Arbeiten diskutieren das Phänomen auch außerhalb der USA und verweisen auf deutliche Unterschiede zwischen Ländern und Kulturen. 2025 greifen Medienberichte die alte Datenlage wieder auf und verknüpfen sie mit aktuellen Preisentwicklungen und Social-Media-Trends.
Einordnung im Kontext
Der Trend passt zu einer breiteren Debatte über „App-Müdigkeit“, Erwartungsmanagement und Rollenbilder beim Dating. Aus Branchensicht stellt sich die Frage, wie Plattformen Absichts-Signale sichtbarer machen können: etwa durch klarere Profilangaben, bessere Voreinstellungen für Date-Art und transparentere Kommunikation über Erwartungen. Für die öffentliche Diskussion bleibt zentral, ethische Fragen nicht nur moralisch zu bewerten, sondern die ökonomischen Auslöser mitzudenken.
Rückblick
„Foodie Call“ tauchte bereits Ende der 2010er Jahre als popkulturelles Schlagwort auf. Die aktuelle Welle unterscheidet sich jedoch durch die starke Beschleunigung über Social-Plattformen. Sichtbar wird ein Spannungsfeld: Auf der einen Seite spielerische, teils ironische Erzählungen über kostenlose Dinner. Auf der anderen Seite argumentative Linien, die das Vorgehen als Ausnutzung taxieren. Die Diskussion dürfte anhalten, solange wirtschaftlicher Druck und Dating über Apps wachsen.
Quellen & weiterführende Links
- MarketWatch: TikTok’s latest budget hack is “dating for dinner”
- VICE: TikTokers are bragging about “dating for dinner”
- Society for Personality and Social Psychology: Press Release zu „Foodie Calls“ (2019)
- ScienceDaily: „Foodie calls“ – 23 bis 33 Prozent der Befragten
- Comparing Foodie Calls in Poland, the United Kingdom and the United States (2023, Open Access)
- PsyPost: Zusammenhang mit traditionellen Rollenbildern (2023)
- Times of India: „Foodie Calls“ als Social-Media-Trend 2025
- Yahoo / NY Post Syndication: Free-dinner trend on dating apps (2025)